Christliche Ehe und Familie
als Berufung

 

Gott Raum geben

„Heiraten? Herzliches Beileid!“, war die Antwort eines Arbeitskollegen auf mein Vorhaben. „Ich werde nicht heiraten, man weiß ja nie, ob es hält“, bekräftigte eine andere Arbeitskollegin, die mit ihrem Lebenspartner sogar zwei gemeinsame Kinder hat. Sich für immer an einen Menschen zu binden, ihm Liebe und lebenslange Treue zu versprechen, das scheint nicht gerade zeitgemäß. Die Ehe ist für viele eine Risiko-Beziehung oder eine Fessel, die etliche Einschränkungen und Entbehrungen bedeutet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

So gesehen hat die Ehe Strahlkraft über die Partner hinaus, denn durch ihre Verbindung wird Gott selbst erlebbar. Für die katholische Kirche ist die christliche Ehe darum ein Sakrament: ein sichtbares Zeichen der bedingungslosen Liebe und nie endenden Treue Gottes zu den Menschen - Zuspruch und Anspruch zugleich. Dies gipfelt in dem Versprechen, das sich das Brautpaar öffentlich bei der Vermählung gibt: Sie wollen einander lieben, achten und ehren, in allen Lebenslagen, bis zum Ende ihrer Tage – Scheidung ausgeschlossen. Ein wahnsinnig großes Versprechen. Zu groß? Schließlich hat kein Paar eine Garantie für eine gelingende Ehe, die ein Leben lang hält, auch Christen haben sie nicht. Und dennoch wagen sie es, weil Gott selbst für sie dabei der Maßstab ist: Er liebt die Menschen grenzenlos, ohne Wenn und Aber.

 

Text: Elisa Vogginger

Foto: Marie Andersson Skansen Creative Commons (CC BY-SA 3.0)

Aus christlicher Sicht ist sie das komplette Gegenteil: Sie ist eine Berufung, ein Weg, der dazu beiträgt, dass die Partner sich verwirklichen - als Menschen und als Christen. Die Eheleute stellen dabei die kleinste Form von Kirche dar: „Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ (Matthäusevangelium 18,20) Wenn zwei Getaufte ihre Ehe so verstehen, dann sind sie in doppelter Hinsicht „fruchtbar“: Es bedeutet einerseits offen zu sein für eigene Kinder, die wohl sichtbarste Frucht der Liebe zwischen Mann und Frau. Andererseits können Eheleute

durch ihr Engagement in ihrem Umfeld und Beruf auf vielfache Weise Frucht bringen. Sie geben dadurch Gott Raum in ihrer Beziehung und in der Welt.