Claudia Böhme
Gemeindereferentin

Sinnvoll!

Claudia Böhme war auf der Suche nach etwas, das für sie Sinn macht. Was ihr dabei geholfen hat und wie sie diesen Sinn gefunden hat - davon erzählt sie.

 

Beim Zeichnen sind für mich die ersten Striche die schwierigsten. Das Blatt ist leer. Zuerst lege ich die Abstände fest, ich prüfe, ob die Proportionen passen. Was will ich hervorheben? Welche Perspektive wähle ich? In wenigen Augenblicken lege ich mit dem Bleistift das Grundgerüst für das Abbild - beispielsweise einer Person - fest. Dann werden Charakterzüge und Feinheiten herausgearbeitet. So langsam entsteht ein Bild, Vieles aber kann sich noch verändern. Zwischen-durch lege ich eine Pause ein. Dann begebe ich mich erneut an die Arbeit. Aus dem gewonnenen Abstand heraus fallen mir Dinge auf, die noch nicht ganz stimmen, die ich aber anpassen kann. Warum ich die Schritte beim Zeichnen so detailliert erkläre? Deshalb: Die Entstehung einer Zeichnung lässt sich in gewisser Hinsicht mit meinem bisherigen Lebensweg vergleichen.

 

Ich bin in einer katholischen Familie aufgewachsen, auf dem Land, in einer Gegend, die wenig katholisch geprägt ist. Mit Kirche bzw. Gemeinde habe ich zunächst einmal die Sonntagsgottesdienste, die Religiösen Kinderwochen und die Katholische Jugend verbunden. Wichtig sind mir die verschiedenen Traditionen geworden, wie z. B. das Osterreiten. Die Tragweite einer weltumfassenden Glaubensgemeinschaft konnte ich dann beim Weltjugendtag in Köln 2005 erleben – ein Ereignis, das mich bei späteren Entscheidungen sehr beeinflussen sollte. All diese Dinge sind für mich die ersten bewusst gezeichneten Striche auf dem „weißen Blatt Papier“ meines Lebens. Das Grundgerüst dafür hat mir bereits meine Familie gegeben, durch die ich zu vertrauen und zu lieben gelernt habe. Und das „weiße Blatt Papier“, mein Grund und Boden – das ist der Glaube an Gott.

 

Welchen Beruf ich einmal ausüben wollte, war mir nach dem Schulabschluss nicht wirklich klar. Wichtig war mir, etwas zu finden, das sich in vielerlei Hinsicht als „sinnvoll“ erweisen würde. Die Suche nach einer sinnvollen Tätigkeit führte mich 2001 zunächst nach Dresden in die Fachoberschule für Gestaltung. Dort stellte ich bald fest, dass das Zeichnen mein Hobby bleiben sollte.

2003 entschied ich mich für die Ausbildung zur Internationalen Managementassistentin und erlernte die spanische und französische Sprache. Zum Praktikum ging ich nach Irland. Danach arbeitete ich in einer Druckerei, erst im Kundenservice und dann in der Marketingabteilung. Auch wenn der wirtschaftliche Teil meiner Ausbildung und die Arbeit im Büro sehr wertvoll und lehrreich waren, so merkte ich doch, dass es der Kontakt mit Kunden, Geschäftspartnern oder Kollegen war, der den Arbeitsalltag für mich lebendig hielt. Besonders klar wurde mir dies, als ich im Sommer 2006 den Aufbau einer Firmen-Außenstelle in Madrid/ Spanien begleiten durfte.

Ich bemerkte eine wachsende Unruhe in mir. Der sonntägliche Gottesdienst war mein Ruhepol in der Woche, das Singen im Chor bereitete mir Freude. Aber das war mir bald nicht mehr genug. Ich wollte mehr vom Glauben erfahren, mehr darüber aussagen können. Die Frage nach der Sinnhaftigkeit meiner Tätigkeit stellte sich für mich erneut.

 

Nach vielen Gesprächen mit Freunden und kirchlichen Hauptamtlichen, folgte der logische und für mich doch sehr gewagte Schritt in eine zweite Ausbildung. Im Frühjahr 2008 bewarb ich mich im Bistum Dresden-Meißen um eine Studienempfehlung und ging nach Freiburg in das Margarete Ruckmich Haus, um Gemeindereferentin zu werden.

Wenn mich jemand fragt, ob es ein bestimmtes Berufungserlebnis für diese Entscheidung gab, antworte ich darauf, dass es eher die vielen „kleinen“ Erfahrungen waren, Momente der Bestätigung, die keinen Zweifel daran ließen, dass die vielen Striche nun langsam ein richtiges Bild ergeben würden.

 

Ich habe mich verändert, bin in fachlicher, spiritueller und persönlicher Hinsicht gewachsen und mittlerweile befinde ich mich schon über ein Jahr im Dienst der Kirche. Hin und wieder halte ich inne und schaue meine Lebens - „Zeichnung“ aus dem Abstand an. Dann stelle ich mit Freude fest, wie vielseitig, aber auch herausfordernd mein Beruf ist und dass mein Bild noch lange nicht vollendet ist. Ich habe die Möglichkeit, mich und meine Fähigkeiten einzubringen, Wegbegleiterin für andere zu sein, Verbindungen zwischen Menschen zu knüpfen und meinen Glauben wirklich zu leben.

Kontakt

Claudia Böhme, Gemeindereferentin in Leutersdorf. (gemeindereferentin@pfarrei-leutersdorf.de)