Sr. M. Clara Faltermaier
Orden der Klarissen
"Mein Gott ist ein eifersüchtiger Gott"

Er wollte und will mich ganz für sich haben.

Aufgewachsen in einer katholischen Familie und Umgebung war Gott für mich ein selbstverständlicher Teil meines Lebens. ER war unsichtbar da und bekam in unserer Familie die Gebete und Gottesdienstbesuche, die wir Ihm schuldig waren.

 

Mit zwölf Jahren fand ER einen anderen Zugang zu meinem Leben.

 

ER lockte mich abends in die Stille und ließ mich als rätselhafter Unbekannter Seine Liebe spüren, so sehr, dass ich Ihm folgen wollte, wohin auch immer. Doch gebunden an die Familie, verpflichtet, in die Schule zu gehen, wusste ich keinen anderen Ausweg in meiner Sehnsucht: Ich gab Ihm einen Blankoscheck: Du darfst mich haben ganz und gar – sobald ich frei bin – und führen wohin Du willst.

 

Jahre später traf mich Sein Wort: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Rebzweige.“ Wie im Spiegel sah ich mich selbst: Alles für Gott tun – ja – doch als mein eigener Unternehmer. Er aber sagte: „Getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen.“ (Joh 15,1ff)

 

Im Studium – ich hatte inzwischen einen jungen Mann kennen und lieben gelernt – stand die Frage der gemeinsamen Zukunft an. Da ließ ER mich verstehen, dass ich doch längst vergeben war.

 

Die größere Liebe siegte.

 

So suchte ich „Ihn, den meine Seele liebt“(Hld 3,1), und ER ließ sich finden am Karfreitag bei der Kreuzverehrung. ER war der, der meine Pläne und Vorstellungen durchkreuzen wollte. ER gab mir als Ort, unsere Liebe zu leben, ein Kloster. Ich wurde Franziskanerin. 

 

Träume hatten mich geleitet, mir die Richtung gewiesen. 

 

Es folgten mehr als zehn erfüllte Jahre mit Höhen und Tiefen, vielen Aufgaben, Beziehungen, eifrigem Dienen. Dann stoppte ER mein Laufen und führte mich in die Krise. In dieser Zeit entdeckte ich die Stille neu und konnte in den folgenden neun Jahren mit einigen Mitschwestern in kontemplativer Weise leben – bis uns äußere Umstände trennten.

 

Ich hatte gelernt: Nicht mein Tun ist entscheidend.

 

Auf Sein Wirken kommt es an. ER liebt es zu handeln, wenn wir Ihn Gott sein lassen und alles von Ihm erwarten. Erneut wiesen mir Träume den Weg. Nun bin ich Klarisse von der Ewigen Anbetung. Ich lebe meinen schlichten Alltag mit meinen Mitschwestern: Gebet, Arbeit und Gemeinschaft wechseln sich ab im Gleichschritt. Wenn wir für Ihn da sind, wird ER gegenwärtig in unserer Welt und schenkt Sein Heil denen, die wir Ihm vor die Füße legen. Es ist mein Glück, Ihm in all meiner Schwachheit und Unvollkommenheit gehören zu dürfen.

Kontakt

Sr. M. Clara Faltermaier ist Ordensschwester im Klarissen-Kloster Bautzen. Für Anfragen zu Ordensberufungen steht Sie gerne per Mail, aber auch persönlich zur Verfügung.

(klarissen@gmx.de)