Ich kann meine eigene Berufung entdecken, wenn ich zum Hören bereit bin, wenn ich Gottes rufendes Wort wahrnehme und wenn ich um das Verstehen dieser Worte ringe. So kann ich zu einer Entscheidung kommen, die eine Antwort auf den Ruf Gottes ist.

Gott beruft nicht durch ein klares, eindeutiges Wort. Erst wenn ich mich auf Ihn einlasse, kann ich erkennen, was Er mit mir vorhat. Und dieser Plan Gottes mit jedem einzelnen Menschen hat drei Dimensionen: Gott hat mich zum einen durch Sein schöpferisches Wort als Sein Abbild geschaffen. Zum Zweiten wurde ich in der Taufe zu Seinem Kind. Durch Jesus Christus hat Er mich – als Sein Jünger, als Seine Jüngerin – zum Christsein berufen. Und zum Dritten braucht Er auch den besonderen Dienst bei der Verkündigung des Evangeliums. Es stellt sich die Frage, ob Er mich zu einem besonderen Dienst in der Kirche beruft.



"Wo die Bedürfnisse der Welt mit deinen Talenten zusammentreffen – dort liegt deine Berufung! "

Aristoteles, griech. Philosoph



Es gilt, der eigenen Berufung nachzuspüren und zu entdecken, was Gott mit mir - mit mir ganz persönlich - vorhat. Wer sich immer wieder neu auf Gott einlässt und diesen Fragen nachgeht, der wird auch auf Antworten stoßen, die die eigene Berufung ermöglichen und tragen.































Wer bin ich? Woher komme ich? Wohin gehe ich? So unterschiedlich die Religionen auch sind, sie kommen in einem gemeinsamen Anliegen überein: Sie machen Ernst damit, dass sich der Mensch eine Frage ist, auf die er selber keine Antwort geben kann.

​In der Religion erfährt sich der Mensch vielmehr ergriffen und getragen von einer höheren und umfassenderen Wirklichkeit, der Wirklichkeit des Heiligen und des Göttlichen. Ihr verdankt er alles, ihr begegnet er mit Scheu und Ehrfurcht, aber auch mit Vertrauen und Hinneigung. Sinn und Halt, Grund und Ziel für das Leben wachsen daraus.

*Foto: Eva Schuster

Foto: Krzysztof (Kriss) Szkurlatowskia

Foto: Daniel Rennen  / pixelio.de

Was ist Berufung?

Wer versucht, den Begriff »Berufung« eindeutig zu definieren, stößt schnell an seine Grenzen.

In der deutschen Sprache kommt dieses Wort in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen vor: Es gibt die Berufung eines Professors auf einen Lehrstuhl, die Berufung in ein öffentliches Amt oder in ein Gremium. Daneben kann sich jemand bei Auseinandersetzungen auf eine höhere Autorität berufen: Gegen ein Gerichtsurteil beispielsweise kann Berufung eingelegt werden. Und schließlich hat auch der Beruf etwas mit Berufung zu tun: Manche persönlichen Fähigkeiten und Eigenschaften eines Menschen werden als konkreter Auftrag zum Handeln verstanden.

Wir sehen: Berufung ist ein sehr vielschichtiger Begriff.

"Berufung im pragmatischen Sinn ist das Gefühl:

Da, wo ich bin, bin ich gerade richtig."

Eva Maria Zurhorst, Bestsellerautorin

Auch im Bereich von Kirche und Theologie ist es schwer, sich auf eine eindeutige Definition festzulegen. Zwei Gesichtspunkte sind jedoch wesentlich. Zum einen ist Berufung das Von-Gott-angesprochen-Werden: Gott wendet sich ganz persönlich an mich. Zum anderen ist damit eine bestimmte Aufgabe oder Lebensform gemeint. Berufung ist demnach der Ruf Gottes und die Antwort des Menschen.



















































"Wenn Sie dazu berufen sind, Straßen zu kehren, dann kehren Sie sie, wie Michelangelo Bilder malte oder Beethoven Musik komponierte oder Shakespeare dichtete.
Kehren Sie die Straße so gut, dass alle im Himmel und auf Erden sagen: „Hier lebte ein großartiger Straßenkehrer, der seine Arbeit gut gemacht hat!“

Martin Luther King, US-amerik. Bürgerrechtler







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In der christlichen Religion hat das Göttliche ein menschliches Gesicht bekommen in Jesus Christus, Er ist wahrnehmbares „Wort“ geworden, durch das Er jeden Menschen in seine Gemeinschaft ruft. Persönlich von Gott ins Dasein gerufen, existiere ich in dieser Welt, um in der Beziehung mit Gott zu wachsen, in der Liebe zu reifen und als Person und Persönlichkeit das Bild in mir hervorzubringen, das Gott in meinen tiefsten Grund gelegt hat.



Verstehen kann man das Leben rückwärts,
leben muss man es aber vorwärts.

(Sören Kierkegaard, dänischer Schriftsteller, Theologe und Philosoph)



Das bin ich: diese bestimmte Person, die durch Gott zur wachsenden Einheit mit Jesus Christus berufen ist. Ich weiß noch nicht genau, wer ich bin. Ich werde, der ich bin, ich finde zu meinem wahren Selbst. Meine wahre Identität liegt in Gott verborgen. Die wahre Bedeutung meiner selbst wird mir erst nach dem Ende meiner persönlichen Geschichte in diesem Leben enthüllt. Die endgültige Erfüllung meines Lebens geschieht in der Beziehung zu Jesus Christus, nur in Ihm kann ich meine Bedeutung finden, den letzten und tiefsten Sinn meines Lebens. Seine Liebe erschafft mich immer wieder, erneuert mich und macht mich zu mir selbst. Die vertraute Verbindung zum Herrn bringt uns näher zu unserer Persönlichkeit, zu unserem wahren Selbst.



​Text: Dr. Peter Birkhofer / Sr. Brigitte Wahl

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